10 Jahre Hilfe für Waisen

Jubiläumskonzert mit den Young Voices / Live-Schaltung nach Kenia

RHEINFELDEN. Fair Aid hat am Samstagabend sein zehnjähriges Bestehen in der evangelischen Christuskirche gefeiert. Der Verein unterstützt seit 2006 das kenianische Hilfsprojekt "Choice for Life", welches 160 Aids-Waisen und ihre Pflegefamilien sowie Witwen in den drei Dörfern Kagamega, Kisa und Shimanjero unterstützt. Neben Informationen über das Hilfsprojekt wurde der Anlass auch mit einem Konzert des evangelischen Jugendchors Young Voices unter der Leitung von Rainer Marbach begangen.

Der Auftritt des Jugendchors umrahmte die Feier, zu der knapp 100 Gäste gekommen waren. Die Young Voices bezauberten mit einem breiten Repertoire. Luise-Sophia Löprich beeindruckte mit einem Soloauftritt und einer ergreifenden Interpretation des Leonard-Cohen-Songs Halleluja. Rebekka Nottbrock konnte mit einem selbstgeschriebenem Medley aus Disney-Filmsongs das Publikum berühren. Spätestens bei dem afrikanischen Song Sana Sananina hielt es dann keinen der Besucher mehr auf der Kirchenbank.

Rückblick auf den Anfang
Jörg Mauch, Vorsitzender von Fair Aid, berichtete von den Anfängen des Vereins. Er erzählte, dass er 2005 auf Einladung von Modesta Okwayo, erstmals nach Kenia kam. Es war seine erste große Reise außerhalb Europas, und Kenia beeindruckte ihn schwer. Als damaliger Gemeindediakon in Rheinfelden wollte er sich gleich für die Menschen dort engagieren. Okwayo organisierte den Kontakt zu dem Projekt Choice for Life, welches damals noch Choose Life hieß.

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Gründung des Vereins
Mit dem evangelischen Jugendkreis organisierte Mauch Kuchenverkäufe, Tombolas und andere Events. "Dann wollten wir das Projekt auch mal besuchen und sind nach Kenia gereist. Und haben festgestellt, dass das Projekt viel zu groß ist für den Jugendkreis." Mauch und seine Mitstreiter Modesta Okwayo, Bärbel Blechschmitt, Friedemann Ries und Dieter Mehlin wollten aber nicht einfach aufgeben und entschieden sich, das Engagement zu professionalisieren, was schließlich zur Vereinsgründung am 20. Januar 2006 führte.

"Seitdem ist viel passiert", meinte Mauch und listete eine ansehnliche Zahl an Events und Aktionen auf. In zehn Jahren sammelte Fair Aid 250 000 Euro für Choice for Life. Das Engagement erweiterte sich stetig. So war das Projekt anfänglich auf das Dorf Kisa beschränkt. Heute sind es mit Kagamega und Shimanjero schon drei Standorte mit drei Waisengruppen und drei Sozialarbeitern vor Ort.

Mutmacher und Frustbringer
Wie sich Choice for Life auswirken kann, erzählt Mauch anhand der Geschichte Julias. Die damals 12-Jährige hatte Mauch auf seiner ersten Reise kennengelernt. Sie war eine Aids-Waise und kümmerte sich um den Haushalt und ihre zwei Brüder. Durch das Hilfsprojekt hat Julia es jetzt, zehn Jahre später, geschafft, eine Ausbildung als Lehrerin zu machen. Die Freude und der Stolz stehen Mauch beim Erzählen ins Gesicht geschrieben.

Vorstandsmitglied Hannes Händel war erst kürzlich für acht Monate in Kenia und nutzte die Gelegenheit, um über seinen Aufenthalt zu berichten. Anrührend war sein Erlebnis mit Salome, die der Witwen-Gruppe angehört. Die HIV-positive Salome lebte in einer baufälligen Hütte ohne dichtes Dach. "Wenn es regnete, musste sie unter dem Bett schlafen, weil dort der einzige trockene Platz in der Hütte war." Mit zwei Bäumen, die Salomes Sohn zur Verfügung stellte, und der Unterstützung von Waisenkindern aus dem Projekt konnte für die Witwe ein neues Haus errichtet werden. Allerdings mischte sich der Sohn, der sich jahrelang nicht um Salome gekümmert hatte, in den Hausbau ein und bestimmte einen neuen Standort unter der Androhung, das Haus andernfalls zu zerstören. Für Händel war das nicht nachvollziehbar und eine "bittere Pille, die es zu schlucken galt".

Neues Projekt
Nach mehreren Anläufen gelang es auch eine Skype-Verbindung nach Kenia aufzubauen und mit der dortigen Projektleiterin Esther Sungu zu konferieren, die begeistert von dem neuesten Projekt Tablebanking, bei dem den jeweiligen Pflegeeltern und Witwengruppen ein Betrag zur freien Verfügung gestellt wird, den diese als Minikredit zum Aufbau eines Kleinunternehmens oder für Hausreparaturen selbst vergeben können. Niedrig verzinst fließt der Betrag wieder an die Gruppe zurück, wächst dadurch auch an und kann dann erneut vergeben werden.

Vorstandsmitglied Friedemann Ries ehrte zum Schluss Mauch als "Initiator, Visionär und Macher", ohne den es den Verein nicht gäbe.

 

Di, 26. Januar 2016

Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.

von: Horation Gollin

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